Frühjahrsmüdigkeit

von Claudia Balzer

Wer kennt das nicht: Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Leistungsknick, Antriebslosigkeit, Kreislaufprobleme und deutliche Stimmungsschwankungen. Und das jedes Frühjahr - aber zum Trost: mehr als der Hälfte der deutschen Bevölkerung geht es alljährlich genau so und „Stubenhocker“ leiden besonders.

Aber muss man sich mit diesen Aussichten zufrieden geben? Wo liegen die Ursachen und was kann man dagegen unternehmen? 

Als Gründe werden Vitaminmangel, die „Urerinnerung“ an einen notwendigen Winterschlaf (warum sind wir dann nicht im Winter müde?), psychische Auswirkungen der grauen Wintertage (aber führen die hellen Frühlingstage nicht zu euphorischer Stimmung?), eine Erhöhung der Hormonproduktion und dadurch Stress für den Körper mit resultierendem Leistungsabfall und neuerdings ein Serotonin-/Dopaminmangel (Studie der Georgetown University in Washington) diskutiert.

Daraus ergeben sich denn auch die „Gegenmaßnahmen“: Gesunde Ernährung, viele Vitamine, reichlich Bewegung an frischer Luft.

Aber ich möchte ein kleines Organ etwas mehr ins (Frühlings-) Licht stellen:

Die Zirbeldrüse, medizinisch Epiphyse.

Ihre Effekte erfasste erstmals Mark Altschule in den 50-er Jahren:

        die Genitalfunktion der Eierstöcke/Hoden

        Aufhellung der Hautpigmentierung bei Tieren

        evtl. Steuerung von Hirntätigkeiten. 

1956 wurde in diesem Organ die Produktion von Melatonin entdeckt. Es scheint für die Umwandlung von Licht-/Dunkel-Veränderungen in physiologische/hormonelle Signale zuständig zu sein. Bei Dunkelheit produziert der Körper vermehrt Melatonin und bereitet den Menschen so auf den Schlaf vor (bei den nachtaktiven Ratten dient es als Wecksignal).

Im Winter haben wir also einen hohen Blutspiegel – nicht gerade ein Muntermacher..... Hingegen senkt helles Licht die Produktion von Melatonin - beim Menschen ab 2.500 Lux (Beleuchtungsstärkeeinheit). So hat z.B. Tageslicht einige 100.000 Lux und eine Leselampe maximal 100 Lux. Was sind 2500 Lux? Lavie beschreibt es nett mit „einem klaren Tag, mehrere Minuten nach Sonnenaufgang und 1m vor dem Schlafzimmerfenster“.

Na und?

Die Tageszeit der Lichtanwendung ist wichtig für unsere „innere Uhr“:

Helles Licht am Abend verschiebt die Schlafenszeit in die Morgenstunden und verspätet das Wecksignal.

Bei hellem Licht am Morgen kommt es zur Vorverlegung des Schlafes und das Aufwachsignal erfolgt folglich auch früher. Die Grenze, ob es zur Vor- oder Rückverlegung der Schlafenszeit kommt ist die Mitternacht, die Beleuchtung zur Tagesmitte scheint für den Nachtschlaf unwichtig zu sein.

Ja ja, da kommt endlich der Frühling mit Sonnenschein und schönem Wetter - man genießt die hellen Abendstunden (s.o.: man selbst und das Melatonin verschiebt die Schlafenszeit Richtung Morgen), aber o weh, dann klingelt der Wecker trotzdem erbarmungslos zur alten Zeit...

Leider kann man sich dem kaum entziehen und einfach morgens länger schlafen, also heißt es abwarten (oder morgens früher aufstehen, Licht tanken und abends müde früher zu Bett, s.o. „Licht am Morgen“). Denn die innere Uhr stellt sich jeden Tag in Übereinstimmung mit der Außenwelt neu ein und mit einer Veränderung der Schlafenszeit ist nach 2-3 Wochen Lichtexposition zu rechnen. 

Früher richteten die Menschen ihre Schlafgewohnheiten zwangsläufig nach den natürlichen Gegebenheiten – aber heutzutage haben wir unser Leben und unser Schlafmuster durch die Verwendung von elektrischem Licht sowohl durch Verlängerung der täglichen aktiven Phasen verändert als auch unsere biologischen Uhren auf einen 25-Stundentag verstellt. 

Eine Neueinstellung wird mittels Licht oder Melatonin praktiziert, z.B. bei Blinden, die ein anormales Melantoninsekretionsmuster und dadurch Schlafstörungen haben.

Denn eigentlich sollte es so sein: Die untergehende Sonne schickt das Signal für Schlaf und die aufgehende Sonne weckt die Menschheit.......

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Info`s zum Artikel:    Literatur: Peretz Lavie „Die wundersame Welt des Schlafes“, Berlin: Links 1997;

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William C. Dement, Christopher Vaughan  „Der Schlaf und unsere Gesundheit“,  München: Limes 2000

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Weitere Informationen z.B. im Internet unter:       

www.m-press.rmc.de/gesund/experten/frueh.htm

www.gesund.co.at

www.docs.at