Wer kennt das nicht: Müdigkeit,
Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Leistungsknick, Antriebslosigkeit,
Kreislaufprobleme und deutliche Stimmungsschwankungen. Und das jedes Frühjahr -
aber zum Trost: mehr als der Hälfte der deutschen Bevölkerung geht es
alljährlich genau so und „Stubenhocker“ leiden besonders.
Aber muss man sich mit diesen Aussichten
zufrieden geben? Wo liegen die Ursachen und was kann man dagegen unternehmen?
Als Gründe werden Vitaminmangel, die
„Urerinnerung“ an einen notwendigen Winterschlaf (warum sind wir dann nicht im
Winter müde?), psychische Auswirkungen der grauen Wintertage (aber führen die
hellen Frühlingstage nicht zu euphorischer Stimmung?), eine Erhöhung der
Hormonproduktion und dadurch Stress für den Körper mit resultierendem
Leistungsabfall und neuerdings ein Serotonin-/Dopaminmangel (Studie der
Georgetown University in Washington) diskutiert.
Daraus ergeben sich denn auch die
„Gegenmaßnahmen“: Gesunde Ernährung, viele Vitamine, reichlich Bewegung an
frischer Luft.
Aber ich möchte ein kleines Organ etwas
mehr ins (Frühlings-) Licht stellen:
Die Zirbeldrüse, medizinisch Epiphyse.
Ihre Effekte erfasste erstmals Mark
Altschule in den 50-er Jahren:
–
die Genitalfunktion der Eierstöcke/Hoden
–
Aufhellung der
Hautpigmentierung bei Tieren
–
evtl. Steuerung von
Hirntätigkeiten.
1956 wurde in diesem Organ die Produktion
von Melatonin entdeckt. Es scheint für die Umwandlung von
Licht-/Dunkel-Veränderungen in physiologische/hormonelle Signale zuständig zu
sein. Bei Dunkelheit produziert der Körper vermehrt Melatonin und bereitet den
Menschen so auf den Schlaf vor (bei den nachtaktiven Ratten dient es als
Wecksignal).
Im Winter haben wir also einen hohen
Blutspiegel – nicht gerade ein Muntermacher..... Hingegen senkt helles Licht
die Produktion von Melatonin - beim Menschen ab 2.500 Lux
(Beleuchtungsstärkeeinheit). So hat z.B. Tageslicht einige 100.000 Lux und eine
Leselampe maximal 100 Lux. Was sind 2500 Lux? Lavie beschreibt es nett mit
„einem klaren Tag, mehrere Minuten nach Sonnenaufgang und 1m vor dem
Schlafzimmerfenster“.
Na und?
Die Tageszeit der Lichtanwendung ist
wichtig für unsere „innere Uhr“:
Helles Licht am Abend
verschiebt die Schlafenszeit in die Morgenstunden und verspätet das Wecksignal.
Bei hellem Licht am Morgen kommt es zur
Vorverlegung des Schlafes und das Aufwachsignal erfolgt folglich auch früher.
Die Grenze, ob es zur Vor- oder Rückverlegung der Schlafenszeit kommt ist die
Mitternacht, die Beleuchtung zur Tagesmitte scheint für den Nachtschlaf
unwichtig zu sein.
Ja ja, da kommt endlich der Frühling mit
Sonnenschein und schönem Wetter - man genießt die hellen Abendstunden (s.o.:
man selbst und das Melatonin verschiebt die Schlafenszeit Richtung Morgen),
aber o weh, dann klingelt der Wecker trotzdem erbarmungslos zur alten Zeit...
Leider kann man sich dem kaum entziehen
und einfach morgens länger schlafen, also heißt es abwarten (oder morgens
früher aufstehen, Licht tanken und abends müde früher zu Bett, s.o. „Licht am
Morgen“). Denn die innere Uhr stellt sich jeden Tag in Übereinstimmung mit der
Außenwelt neu ein und mit einer Veränderung der Schlafenszeit ist nach 2-3
Wochen Lichtexposition zu rechnen.
Früher richteten die Menschen ihre
Schlafgewohnheiten zwangsläufig nach den natürlichen Gegebenheiten – aber
heutzutage haben wir unser Leben und unser Schlafmuster durch die Verwendung
von elektrischem Licht sowohl durch Verlängerung der täglichen aktiven Phasen
verändert als auch unsere biologischen Uhren auf einen 25-Stundentag verstellt.
Eine Neueinstellung wird mittels Licht
oder Melatonin praktiziert, z.B. bei Blinden, die ein anormales
Melantoninsekretionsmuster und dadurch Schlafstörungen haben.
Denn eigentlich sollte es so sein: Die
untergehende Sonne schickt das Signal für Schlaf und die aufgehende Sonne weckt
die Menschheit.......
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Info`s zum
Artikel: Literatur: Peretz Lavie „Die
wundersame Welt des Schlafes“, Berlin:
*
William C. Dement, Christopher
Vaughan „Der Schlaf und unsere Gesundheit“, München: Limes 2000
*
Weitere Informationen z.B. im Internet
unter: