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Inhalt:
Der
normale Schlaf
Entwicklung
der Schlafforschung
Schon
immer beschäftigte die Menschheit sich mit dem Phänomen des
Schlafs. Verschiedene Mythologien und Religionen schufen über die
Jahrhunderte ihre eigenen Erklärungen, aber ein gezieltes
wissenschaftliches Vorgehen begann erst Ende des 19. Jahrhunderts.
Angefangen bei der reinen Beobachtung bis hin zur Möglichkeit, die
Sinnestätigkeit und Veränderung von Körperfunktionen zu messen, löste
man sich im Laufe der Zeit von einer philosophisch geprägten
Betrachtungsweise und mit der Entwicklung der
Elektroenzephalographie (EEG), einer Methode zur Messung der
Hirnaktivität, wurden schließlich die entscheidenden
Voraussetzungen für den Beginn der modernen Schlafforschung
geschaffen.
Damit
konnte man nachweisen, dass der Schlaf kein passiver, sondern ein höchst
aktiver Zustand ist. Es wurde festgestellt, dass sich mit
zunehmender Schlaftiefe die elektrische Hirnaktivität verlangsamt
und gleichzeitig die Höhe der Hirnstromwellen zunimmt.
Architektur
des Schlafs
Die
immer differenziertere Beschreibung führte schließlich zu einer
noch heute gültigen Einteilung des Schlafs in fünf verschiedene
Schlafstadien, die man wie folgt unterscheidet:
Stadium
WK = Wachzustand
Stadium
1 = Einschlafstadium
Stadium
2 = leichter, aber bereits richtiger Schlaf
Stadium
3 und 4= Tiefschlaf
Stadium
REM = Traumschlaf
Alle
fünf Stadien zusammen ergeben einen Schlafzyklus, der etwa 90 bis
100 Minuten dauert. Kurz vor oder nach dem REM–Schlaf werden wir
beinahe wach, dann schlafen wir wieder ein, und der nächste
Schlafzyklus beginnt.
Gesunde
Erwachsene durchlaufen 4 bis 6 solcher Schlafzyklen in der Nacht.
Man spricht dann von einer typischen Schlafarchitektur, wenn sich im
Verlauf dieser Zyklen der Anteil des Tiefschlafs verringert bzw. der
Anteil des REM – Schlafs zunimmt.
Leichtschlaf
St.1
5%
Mittlerer
Schlaf
St.2
50%
Tiefschlaf
St.3 + 4
25%
REM
Schlaf
20%
Zeit
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
ca. 8 Stunden
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
Abb.1
Schlafprofil eines gesunden jungen Erwachsenen
Über
die Funktionen des Non-REM-Schlaf und des REM-Schlafs gibt es einige
Annahmen:
So
dient der Tiefschlaf wahrscheinlich vor allem der Erholung von
Zellfunktionen, während der REM-Schlaf eher für die Verarbeitung
emotionaler Erlebnisinhalte sowie für die Aufarbeitung und
Speicherung von Informationen zuständig ist, gewissermaßen eine
Art Festplattenbereinigung.
Während
des Schlafes ändern sich verschiedene Körperfunktionen:
- Die
Herz- und Pulsfrequenz verringert sich allmählich, ein Minimum
wird nach 1 bis 2 Stunden erreicht. Auch der Blutdruck fällt
ab.
- Die
Atmung wird regelmäßig, langsam und tiefer.
- Die
Körpertemperatur sinkt um 0,4 Grad Celsius. Zwischen drei und
vier Uhr morgens ist sie in der Regel am niedrigsten. Danach
steigt sie wieder an.
- Die
Muskelspannung lässt deutlich nach und ist während des
REM-Schlafes am niedrigsten. Je tiefer wir schlafen, desto
weniger bewegen wir uns.
- Es
kommt zu einer stärkeren Durchblutung und in der 2. Nachthälfte
zu erhöhten Bewegungen des Magen-Darmbereichs. Auch in Leber,
Nieren und Schilddrüse laufen aktivere Prozesse als am Tag ab,
hier würden sie unsere Leistungsfähigkeit einschränken.
- Auch
das hormonelle System bleibt in der Nacht aktiv. Die Ausschüttung
einiger Hormone, die eine wichtige Rolle bei der Regenerierung
von Zellfunktionen und der Steuerung von Immun- und
Stoffwechselprozessen ist schlafabhängig – was für unsere
gesamte Erholung von Bedeutung ist.
Im
Laufe des Lebens verändern sich
- die Schlafdauer:
verringert sich kontinuierlich (noch ca.16 Stunden beim Säugling),
variiert aber vor allem bei Erwachsenen sehr stark (4 – 10
Stunden), die meisten Erwachsenen brauchen ca.6-8 Stunden Schlaf
- die Struktur
des Schlafs: z.B. hoher REM-Schlaf-Anteil beim Säugling
(noch ca. 50%) und immer geringere Tiefschlafanteile beim älteren
Erwachsenen (ca. 5 – 10%), manche Menschen über 50 Jahre
weisen sogar überhaupt keinen Tiefschlafanteil mehr auf.
Diesen
altersbedingten Rückgang des Tiefschlafs sollte man nicht mit einer
echten Schlafstörung verwechseln. Da der Tiefschlafanteil sich nur
allmählich verringert, gewöhnt man sich unter normalen Umständen
daran, dass man ab dem 40. Lebensjahr nicht mehr so fest schläft
wie in jungen Jahren, man häufiger wach wird und zum Teil auch
etwas längere Einschlafphasen hat.
Schlafstörungen
Definition
von Schlafstörungen
Es
gibt unterschiedliche Klassifikationssysteme nach denen man Schlafstörungen
unterteilen bzw. beschreiben kann.
Gemäß
der ICD-10, ist von einer Schlafstörung im Sinne der Insomnie
auszugehen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
-
Klagen
über Ein- und Durchschlafstörungen bzw. schlechte Schlafqualität;
-
Auftretenshäufigkeit
mindestens 3mal pro Woche über einen Monat;
-
überwiegendes
Beschäftigtsein mit der Schlafstörung und übertriebene Sorge
am Tag und in der Nacht bzgl. der negativen Auswirkungen der Störung;
-
ein
ausgeprägter Leidensdruck bzw. deutliche, störende
Auswirkungen auf die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit
als direkte Folge der Schlafstörung;
Epidemiologie
(Auftretenshäufigkeit) von Schlafstörungen
-
Etwa
1/3 der Bevölkerung
leidet vorübergehend und zu einem kleineren Anteil
kontinuierlich unter Schlafstörungen.
-
Der
Anteil seelisch
bedingter Schlafstörungen an der Gesamtheit aller
Schlafstörungen beträgt ca. 60-70%.
-
Mit
dem höheren Lebensalter
nehmen Schlafstörungen signifikant zu.
-
Frauen
ab dem 40. Lebensjahr
klagen fast doppelt so häufig über Schlafstörungen als Männer.
-
Unter
der Population psychisch gestörter Patienten ist der prozentuale Anteil an
Schlafstörungen wesentlich höher als in der Gesamtbevölkerung.
Klassifikation von Schlafstörungen
nach ICSD (ursachenbezogen)
Dyssomnien
- Alle primären Erkrankungen des
Schlafens und/oder Wachens, bei denen die Erholungsfunktion des
Schlafes gestört ist:
- Insomnien = zu wenig Schlaf
- Hypersomnien = zu viel Schlaf
mit
anderen Worten: Störungen, die Ein- und Durchschlafstörungen
oder übermäßige Schläfrigkeit hervorrufen;
Intrinsische
Dyssomnien
Die
Ursache der Erkrankung liegt im
Patienten selbst.
Differentialdiagnostisch
wird hier am häufigsten die Polysomnographie
im Schlaflabor eingesetzt.
Intrinsische
Schlafstörungen können sowohl psychische
als auch organische Ursachen haben.
Beispiele:
-
Primäre
bzw. psychophysiologische Insomnie (ca. 15% aller Insomnien)
-
Schlafwahrnehmungsstörung
(Pseudoinsomnie bei ca. 5% aller Schlaflosen)
-
Narkolepsie
(ca. 0,05% der Bevölkerung, genetische Disposition)
-
Idiopathische
Hypersomnie (Beginn meist in der späten Adoleszenz vor dem
25.Lebensjahr)
-
Obstruktives
Schlafapnoe-Syndrom (schlafbezogene Atmungsstörung)
-
Restless-legs-Syndrom
(ca. 40% genetisch bedingt)
Extrinsische Dyssomnien
Die
Ursache liegt in von außen
wirkenden oder in verhaltensabhängigen
Faktoren.
Die
Beseitigung dieser Faktoren kann zur Beendigung der Schlafstörung
führen, wenn nicht andere
Schlafstörungen sich im Verlaufe einer extrinsischen Störung
entwickeln.
Beispiele:
-
Falsche
(inadäquate) Schlafhygiene (schlechte Schlafgewohnheiten)
-
Psychoreaktive
Schlafstörung (Anpassungsschlafstörung)
-
Schlafstörung
bei Nahrungsmittelallergie
-
Schlafstörung
bei Hypnotikaabhängigkeit
-
Alkoholinduzierte
Schlafstörung
Störungen des
zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus
Mögliche
Ursachen:
-
zentral
bedingt: z.B. hormonell oder durch einen Tumor
-
wahrnehmungsbedingt: z.B. durch Blindheit
-
umweltbedingt: z.B. Schichtarbeit
-
verhaltensbedingt: Störungen durch das Alter, durch organische oder psychische
Erkrankungen
Beispiele:
-
Zeitzonenwechsel
(Jet-Lag-Syndrom)
-
Schlafstörungen bei Schichtarbeit
-
Schlaf-Wach-Störung bei Abweichung vom 24-h-Rhythmus (häufig bei Blinden, gelegentlich bei Persönlichkeitsstörungen)
-
Verzögertes bzw. vorverlagertes Schlafphasen-Syndrom (Extremvariante „Eule“ bzw. „Lerche“)
Parasomnien
Störungen,
die aufgrund körperlicher und psychischer Faktoren in
den Schlafprozess einbrechen, ie aber nicht zwingend die
Erholungsfunktion des Schlafes beeinträchtigen. m Vordergrund
stehen die auffälligen nächtlichen
Verhaltensweisen.
Man
unterscheidet 4 Gruppen:
1.
Aufwachstörungen (z.B.
Schlafwandeln)
2.
Schlaf-Wach-Übergangsstörungen (z.B. Einschlafmyoklonien)
3.
REM-Schlaf-gebundene
Parasomnien
(z.B. Albträume, Verhaltensstörung im REM-Schlaf)
4.
Andere
Parasomnien (z.B.
Bruxismus=Zähneknirschen)
Schlafstörungen
bei körperlichen/psychiatrischen Erkrankungen
Sekundäre Schlafstörungen, die bereits bestehende Erkrankungen
begleiten, mit insomnischer,
hypersomnischer oder parasomnischer Symptomatik. Hier steht
die Behandlung der
Grunderkrankung im Vordergrund.
Beispiele
-
Psychosen (z.B.
Schizophrenien mit Insomnien oder Tagesschläfrigkeit,
zerrissenes Schlafmuster, wenig Tiefschlaf
-
Depressive Störungen (es
überwiegen Ein- und Durchschlafstörungen, sowie frühmorgendliches
Erwachen, hoher REM-Anteil, kurze REM-Latenz)
-
Panikerkrankungen (Panikepisoden
am Tag und in der Nacht in Form plötzlichen Erwachens, erhöhte
Wiedereinschlaflatenz)
-
Degenerative Hirnerkrankungen und Demenzen (z.B. Alzheimer-Krankheit mit zahlreichen Wachphasen und dem
„sun-down-Syndrom“)
-
Parkinson-Syndrom
(atypisches, fragmentiertes Schlafprofil mit wenig REM-Schlaf,
periodischen Beinbewegungen und Muskelzuckungen)
-
Afrikanische Schlafkrankheit =
Trypanosomiasis (durch die Tsetsefliege übertragene
Infektionserkrankung, nach 4-6 Monaten auftretende Tagesschläfrigkeit
bei chronischer Meningoenzephalitis
-
Nächtliche Angina pectoris
-
Nächtliches Asthma
-
Schlafstörungen bei Diabetes mellitus
-
Schlafstörungen bei Ulcuserkrankungen
Vorgeschlagene (nicht klassifizierte Schlafstörungen)
-
Schlafstörungen bei Menses oder Menopause
-
Schlafstörungen während und nach der Schwangerschaft
-
Nachtschweiß
Nicht-medikamentöse
Behandlungsmethoden der primären Insomnie
z.B.
Verhaltenstherapeutische
Regeln und Techniken
Beispiele:
Schlafhygiene
-
Einhaltung
eines regelmäßigen Tag- und Nachtrhythmus
-
Einhalten
regelmäßiger
Schlafzeiten
-
Nicht
länger schlafen als nötig, um danach ausgeruht zu sein
-
Kein
Radio oder Fernsehen
im Schlafzimmer
-
Koffein-
und Nikotinverzicht
-
Alkohol nur in geringen Mengen
-
Kühles,
gut gelüftetes und verdunkeltes Schlafzimmer
-
Regelmäßiges
körperliches Training,
aber nicht kurz vor dem Schlafengehen
-
Entspannende
Abendgestaltung
-
Leichte
Mahlzeit (mit beschränkter Flüssigkeitszufuhr)
spätestens 2-3 Std. vorm Zubettgehen
Schlafrestriktion
(Bettzeitverkürzung)
-
Ziel:
Durch milden
Schlafentzug (ohne dass unter 4-5 Stunden gegangen wird)
unter Inkaufnahme einer noch tolerablen Tagesschläfrigkeit
einen gewissen Schlafdruck
aufzubauen, der dem chronischen Schlaflosen eine natürliche Schlafhilfe bedeutet.
-
Grundlage:
Schlafprotokoll über 4 Wochen
Im
Schlafmedizinischen Zentrum in Köln-Merheim wird zur Behandlung von
Ein- und Durchschlafstörungen ein Gruppentraining nach einer
erprobten Methode durchgeführt.
Die
von uns regelmäßig angebotenen Kurse fußen auf einem
Schlaftrainingsprogramm, entwickelt und wissenschaftlich validiert
im Schlafmedizinischen Zentrum des Instituts für Psychologie der
Universität Münster und als Therapiemanual veröffentlicht.
Wir
erweitern das dort veröffentliche Kursprogramm in wenigen Punkten,
da wir in unserem Fall auf eine sehr enge Kooperation zwischen
Psychologin und Arzt aufbauen können.
Das
Training wird zum einen von der Psychologin des Schlaflabors
geleitet und durchgeführt, zum anderen vom Leiter unseres SMZ,
Oberarzt Jürgen Beier begleitet. Diese Kombination von
medizinischer und psychologischer Betreuung hat sich sowohl in bezug
auf eine umfassende Diagnostik als auch für die Durchführung der
Therapie bewährt.
Der
Kurs wird über 8 Wochen durchgeführt, in jeweils 6 Sitzungen à 2
Stunden.
Die
Anmeldung erfolgt über das SMZ Köln-Merheim unter Telefon
0221-8907-13374. Die Teilnehmerzahl ist auf max. 12 Teilnehmer
begrenzt.
Nach
einem ausführlichen Erstgespräch wird entschieden, ob weitere
diagnostische Schritte in unserem Schlaflabor (z.B. zum Ausschluss
einer organisch begründeten Schlafstörung) notwendig sind bzw. ob
der Patient ein geeigneter Kandidat für unser Schlaftraining ist.
Die Kosten für eine Teilnahme an diesem Training betragen einmalig
50 Euro.
Wir
führen diesen Kurs seit 2002 mehrmals im Jahr durch und können rückblickend
eine im Durchschnitt recht erfolgreiche Teilnahme aufweisen.
Im
folgenden einige Diagramme, die die Effizienz dieses Trainings
verdeutlichen:
Abb.1:
Verlauf der Schlafeffizienz einiger Patienten während eines
Trainings
Der
Erfolg in bezug auf die Verlängerung der Schlafzeit zeigt sich
etwas später, wie sich an dem folgenden Diagramm deutlich ablesen lässt:
Abb.2: Verlauf der
Schlafeffizienz und der effektiven Schlafzeit in Stunden eines
Patienten während eines Trainings
von
Frau
Christine Hamm, Dipl.-Psychologin im Schlafmedizinischen Zentrum
Köln-Merheim
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