SAS-KÖLN                                                                      

Informationen von Patienten und Ärzte für Patienten und medizinisches Personal über den Schlaf und Schlafstörungen.    

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Letztes Update:
9.02.2004
Diese Seiten wurden von Patienten und Ärzten für Patienten oder Ratsuchende (aber auch medizinisches Personal)  gemacht.  Wir möchten Sie umfangreich über den Schlaf und Schlafstörungen aus medizinischer Sicht informieren. Wir verstehen uns als eine Initiative, die sich mit dem Schlaf und Schlafstörungen im allgemeinen und mit regionalen Besonderheiten und Versorgungsmöglichkeiten im Kölner Raum befassen. Wir sind ehrenamtlich tätig. Wir halten Sie über aktuelle Ereignisse die im Zusammenhang mit Schlafstörungen und deren Behandlungen stehen, auf dem Laufenden.  Wir werden daher unsere Seite regelmäßig aktualisieren. Gerne informieren wir Sie auch direkt über das neue Update, dazu bestellen Sie bitte die Newsletter.   (Newsletter bestellen)

 

Der Schlaf

 Eine Übersicht von Frau C. Hamm SMZ-Köln-Merheim

  

           Inhalt:

 

Der normale Schlaf

Entwicklung der Schlafforschung

Schon immer beschäftigte die Menschheit sich mit dem Phänomen des Schlafs. Verschiedene Mythologien und Religionen schufen über die Jahrhunderte ihre eigenen Erklärungen, aber ein gezieltes wissenschaftliches Vorgehen begann erst Ende des 19. Jahrhunderts. Angefangen bei der reinen Beobachtung bis hin zur Möglichkeit, die Sinnestätigkeit und Veränderung von Körperfunktionen zu messen, löste man sich im Laufe der Zeit von einer philosophisch geprägten Betrachtungsweise und mit der Entwicklung der Elektroenzephalographie (EEG), einer Methode zur Messung der Hirnaktivität, wurden schließlich die entscheidenden Voraussetzungen für den Beginn der modernen Schlafforschung geschaffen.

Damit konnte man nachweisen, dass der Schlaf kein passiver, sondern ein höchst aktiver Zustand ist. Es wurde festgestellt, dass sich mit zunehmender Schlaftiefe die elektrische Hirnaktivität verlangsamt und gleichzeitig die Höhe der Hirnstromwellen zunimmt.

Architektur des Schlafs

Die immer differenziertere Beschreibung führte schließlich zu einer noch heute gültigen Einteilung des Schlafs in fünf verschiedene Schlafstadien, die man wie folgt unterscheidet:

Stadium WK = Wachzustand

Stadium 1 = Einschlafstadium

Stadium 2 = leichter, aber bereits richtiger Schlaf

Stadium 3 und 4= Tiefschlaf

Stadium REM = Traumschlaf

Alle fünf Stadien zusammen ergeben einen Schlafzyklus, der etwa 90 bis 100 Minuten dauert. Kurz vor oder nach dem REM–Schlaf werden wir beinahe wach, dann schlafen wir wieder ein, und der nächste Schlafzyklus beginnt. 

Gesunde Erwachsene durchlaufen 4 bis 6 solcher Schlafzyklen in der Nacht. Man spricht dann von einer typischen Schlafarchitektur, wenn sich im Verlauf dieser Zyklen der Anteil des Tiefschlafs verringert bzw. der Anteil des REM – Schlafs zunimmt.  

Leichtschlaf               St.1                 5%

Mittlerer Schlaf          St.2                 50%

Tiefschlaf                   St.3 + 4          25%

REM Schlaf                                      20%

  


 
Zeit   >>>>>>>>>>>>>>>>>>>> ca. 8 Stunden  >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

Abb.1  Schlafprofil eines gesunden jungen Erwachsenen

 

Funktionen des Non-REM-Schlaf und des REM-Schlafs

Über die Funktionen des Non-REM-Schlaf und des REM-Schlafs gibt es einige Annahmen:

So dient der Tiefschlaf wahrscheinlich vor allem der Erholung von Zellfunktionen, während der REM-Schlaf eher für die Verarbeitung emotionaler Erlebnisinhalte sowie für die Aufarbeitung und Speicherung von Informationen zuständig ist, gewissermaßen eine Art Festplattenbereinigung.

Während des Schlafes ändern sich verschiedene Körperfunktionen:

  • Die Herz- und Pulsfrequenz verringert sich allmählich, ein Minimum wird nach 1 bis 2 Stunden erreicht. Auch der Blutdruck fällt ab.
  • Die Atmung wird regelmäßig, langsam und tiefer.
  • Die Körpertemperatur sinkt um 0,4 Grad Celsius. Zwischen drei und vier Uhr morgens ist sie in der Regel am niedrigsten. Danach steigt sie wieder an.
  • Die Muskelspannung lässt deutlich nach und ist während des REM-Schlafes am niedrigsten. Je tiefer wir schlafen, desto weniger bewegen wir uns.
  • Es kommt zu einer stärkeren Durchblutung und in der 2. Nachthälfte zu erhöhten Bewegungen des Magen-Darmbereichs. Auch in Leber, Nieren und Schilddrüse laufen aktivere Prozesse als am Tag ab, hier würden sie unsere Leistungsfähigkeit einschränken.
  • Auch das hormonelle System bleibt in der Nacht aktiv. Die Ausschüttung einiger Hormone, die eine wichtige Rolle bei der Regenerierung von Zellfunktionen und der Steuerung von Immun- und Stoffwechselprozessen ist schlafabhängig – was für unsere gesamte Erholung von Bedeutung ist.

Veränderungen des Schlafes im Laufe des Lebens 

Im Laufe des Lebens verändern sich

  • die Schlafdauer: verringert sich kontinuierlich (noch ca.16 Stunden beim Säugling), variiert aber vor allem bei Erwachsenen sehr stark (4 – 10 Stunden), die meisten Erwachsenen brauchen ca.6-8 Stunden Schlaf
  • die Struktur des Schlafs: z.B. hoher REM-Schlaf-Anteil beim Säugling (noch ca. 50%) und immer geringere Tiefschlafanteile beim älteren Erwachsenen (ca. 5 – 10%), manche Menschen über 50 Jahre weisen sogar überhaupt keinen Tiefschlafanteil mehr auf.

Diesen altersbedingten Rückgang des Tiefschlafs sollte man nicht mit einer echten Schlafstörung verwechseln. Da der Tiefschlafanteil sich nur allmählich verringert, gewöhnt man sich unter normalen Umständen daran, dass man ab dem 40. Lebensjahr nicht mehr so fest schläft wie in jungen Jahren, man häufiger wach wird und zum Teil auch etwas längere Einschlafphasen hat. 


 

 

Schlafstörungen

 

Definition von Schlafstörungen 

Es gibt unterschiedliche Klassifikationssysteme nach denen man Schlafstörungen unterteilen bzw. beschreiben kann.

Gemäß der ICD-10, ist von einer Schlafstörung im Sinne der Insomnie auszugehen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Klagen über Ein- und Durchschlafstörungen bzw. schlechte Schlafqualität;

  • Auftretenshäufigkeit mindestens 3mal pro Woche über einen Monat;

  • überwiegendes Beschäftigtsein mit der Schlafstörung und übertriebene Sorge am Tag und in der Nacht bzgl. der negativen Auswirkungen der Störung;

  • ein ausgeprägter Leidensdruck bzw. deutliche, störende Auswirkungen auf die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit als direkte Folge der Schlafstörung;

 Epidemiologie (Auftretenshäufigkeit) von Schlafstörungen 

  • Etwa 1/3 der Bevölkerung leidet vorübergehend und zu einem kleineren Anteil kontinuierlich unter Schlafstörungen.

  • Der Anteil seelisch bedingter Schlafstörungen an der Gesamtheit aller Schlafstörungen beträgt ca. 60-70%.

  • Mit dem höheren Lebensalter nehmen Schlafstörungen signifikant zu.

  • Frauen ab dem 40. Lebensjahr klagen fast doppelt so häufig über Schlafstörungen als Männer.

  • Unter der Population psychisch gestörter Patienten ist der prozentuale Anteil an Schlafstörungen wesentlich höher als in der Gesamtbevölkerung.

Klassifikation von Schlafstörungen nach ICSD (ursachenbezogen)

 

Dyssomnien

  • Alle primären Erkrankungen des Schlafens und/oder Wachens, bei denen die Erholungsfunktion des Schlafes gestört ist:
  • Insomnien = zu wenig Schlaf
  • Hypersomnien = zu viel Schlaf

mit anderen Worten: Störungen, die Ein- und Durchschlafstörungen oder übermäßige Schläfrigkeit hervorrufen;

 

Intrinsische Dyssomnien

Die Ursache der Erkrankung liegt im Patienten selbst.

Differentialdiagnostisch wird hier am häufigsten die Polysomnographie im Schlaflabor eingesetzt.

Intrinsische Schlafstörungen können sowohl psychische als auch organische Ursachen haben.

Beispiele:

-          Primäre bzw. psychophysiologische Insomnie (ca. 15% aller Insomnien)

-          Schlafwahrnehmungsstörung (Pseudoinsomnie bei ca. 5% aller Schlaflosen)

-          Narkolepsie (ca. 0,05% der Bevölkerung, genetische Disposition)

-          Idiopathische Hypersomnie (Beginn meist in der späten Adoleszenz vor dem 25.Lebensjahr)

-          Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (schlafbezogene Atmungsstörung)

-          Restless-legs-Syndrom (ca. 40% genetisch bedingt)

 

Extrinsische Dyssomnien

Die Ursache liegt in von außen wirkenden oder in verhaltensabhängigen Faktoren.

Die Beseitigung dieser Faktoren kann zur Beendigung der Schlafstörung führen, wenn nicht andere Schlafstörungen sich im Verlaufe einer extrinsischen Störung entwickeln.

Beispiele:

-          Falsche (inadäquate) Schlafhygiene (schlechte Schlafgewohnheiten)

-          Psychoreaktive Schlafstörung (Anpassungsschlafstörung)

-          Schlafstörung bei Nahrungsmittelallergie

-          Schlafstörung bei Hypnotikaabhängigkeit

-          Alkoholinduzierte Schlafstörung

 

Störungen des zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus

Mögliche Ursachen:

  • zentral bedingt: z.B. hormonell oder durch einen Tumor

  • wahrnehmungsbedingt: z.B. durch Blindheit

  • umweltbedingt: z.B. Schichtarbeit

  • verhaltensbedingt: Störungen durch das Alter, durch organische oder psychische Erkrankungen

Beispiele:

-          Zeitzonenwechsel (Jet-Lag-Syndrom)

-          Schlafstörungen bei Schichtarbeit

-          Schlaf-Wach-Störung bei Abweichung vom 24-h-Rhythmus (häufig bei Blinden, gelegentlich bei Persönlichkeitsstörungen)

-          Verzögertes bzw. vorverlagertes Schlafphasen-Syndrom (Extremvariante „Eule“ bzw. „Lerche“)

Parasomnien

Störungen, die aufgrund körperlicher und psychischer Faktoren in den Schlafprozess einbrechen, ie aber nicht zwingend die Erholungsfunktion des Schlafes beeinträchtigen. m Vordergrund stehen die auffälligen nächtlichen Verhaltensweisen.

 

Man unterscheidet 4 Gruppen:

1. Aufwachstörungen (z.B. Schlafwandeln)

2. Schlaf-Wach-Übergangsstörungen (z.B. Einschlafmyoklonien)

3. REM-Schlaf-gebundene Parasomnien (z.B. Albträume, Verhaltensstörung im REM-Schlaf)

4. Andere Parasomnien (z.B. Bruxismus=Zähneknirschen)

 

Schlafstörungen bei körperlichen/psychiatrischen Erkrankungen

Sekundäre Schlafstörungen, die bereits bestehende Erkrankungen begleiten, mit insomnischer, hypersomnischer oder parasomnischer Symptomatik. Hier steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.

 Beispiele

  • Psychosen (z.B. Schizophrenien mit Insomnien oder Tagesschläfrigkeit, zerrissenes Schlafmuster, wenig Tiefschlaf

  • Depressive Störungen (es überwiegen Ein- und Durchschlafstörungen, sowie frühmorgendliches Erwachen, hoher REM-Anteil, kurze REM-Latenz)

  • Panikerkrankungen (Panikepisoden am Tag und in der Nacht in Form plötzlichen Erwachens, erhöhte Wiedereinschlaflatenz)

  • Degenerative Hirnerkrankungen und Demenzen (z.B. Alzheimer-Krankheit mit zahlreichen Wachphasen und dem „sun-down-Syndrom“)

  • Parkinson-Syndrom (atypisches, fragmentiertes Schlafprofil mit wenig REM-Schlaf, periodischen Beinbewegungen und Muskelzuckungen)

  • Afrikanische Schlafkrankheit = Trypanosomiasis (durch die Tsetsefliege übertragene Infektionserkrankung, nach 4-6 Monaten auftretende Tagesschläfrigkeit bei chronischer Meningoenzephalitis

  • Nächtliche Angina pectoris

  • Nächtliches Asthma

  • Schlafstörungen bei Diabetes mellitus

  • Schlafstörungen bei Ulcuserkrankungen

 

 

Vorgeschlagene (nicht klassifizierte Schlafstörungen)

-          Schlafstörungen bei Menses oder Menopause

-          Schlafstörungen während und nach der Schwangerschaft

-          Nachtschweiß

 

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden der primären Insomnie

z.B.

  • Verhaltenstherapeutische Techniken

  • Entspannungstechniken

  • Psychotherapie

 

Verhaltenstherapeutische Regeln und Techniken  

Beispiele:

Schlafhygiene

  • Einhaltung eines regelmäßigen Tag- und Nachtrhythmus

  • Einhalten regelmäßiger Schlafzeiten

  • Nicht länger schlafen als nötig, um danach ausgeruht zu sein

  • Kein Radio oder Fernsehen im Schlafzimmer

  • Koffein- und Nikotinverzicht

  • Alkohol nur in geringen Mengen

  • Kühles, gut gelüftetes und verdunkeltes Schlafzimmer

  • Regelmäßiges körperliches Training, aber nicht kurz vor dem Schlafengehen

  • Entspannende Abendgestaltung

  • Leichte Mahlzeit (mit beschränkter Flüssigkeitszufuhr) spätestens 2-3 Std. vorm Zubettgehen

 Schlafrestriktion (Bettzeitverkürzung)

  • Ziel: Durch milden Schlafentzug (ohne dass unter 4-5 Stunden gegangen wird) unter Inkaufnahme einer noch tolerablen Tagesschläfrigkeit einen gewissen Schlafdruck aufzubauen, der dem chronischen Schlaflosen eine natürliche Schlafhilfe bedeutet.

  • Grundlage: Schlafprotokoll über 4 Wochen

Im Schlafmedizinischen Zentrum in Köln-Merheim wird zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen ein Gruppentraining nach einer erprobten Methode durchgeführt. 

Die von uns regelmäßig angebotenen Kurse fußen auf einem Schlaftrainingsprogramm, entwickelt und wissenschaftlich validiert im Schlafmedizinischen Zentrum des Instituts für Psychologie der Universität Münster und als Therapiemanual veröffentlicht.

Wir erweitern das dort veröffentliche Kursprogramm in wenigen Punkten, da wir in unserem Fall auf eine sehr enge Kooperation zwischen Psychologin und Arzt aufbauen können. 

Das Training wird zum einen von der Psychologin des Schlaflabors geleitet und durchgeführt, zum anderen vom Leiter unseres SMZ, Oberarzt Jürgen Beier begleitet. Diese Kombination von medizinischer und psychologischer Betreuung hat sich sowohl in bezug auf eine umfassende Diagnostik als auch für die Durchführung der Therapie bewährt.

Der Kurs wird über 8 Wochen durchgeführt, in jeweils 6 Sitzungen à 2 Stunden. 

Die Anmeldung erfolgt über das SMZ Köln-Merheim unter Telefon 0221-8907-13374. Die Teilnehmerzahl ist auf max. 12 Teilnehmer begrenzt.

Nach einem ausführlichen Erstgespräch wird entschieden, ob weitere diagnostische Schritte in unserem Schlaflabor (z.B. zum Ausschluss einer organisch begründeten Schlafstörung) notwendig sind bzw. ob der Patient ein geeigneter Kandidat für unser Schlaftraining ist. Die Kosten für eine Teilnahme an diesem Training betragen einmalig 50 Euro.

Wir führen diesen Kurs seit 2002 mehrmals im Jahr durch und können rückblickend eine im Durchschnitt recht erfolgreiche Teilnahme aufweisen. 

Im folgenden einige Diagramme, die die Effizienz dieses Trainings verdeutlichen:  

Abb.1: Verlauf der Schlafeffizienz einiger Patienten während eines Trainings

Der Erfolg in bezug auf die Verlängerung der Schlafzeit zeigt sich etwas später, wie sich an dem folgenden Diagramm deutlich ablesen lässt:  

Abb.2: Verlauf der Schlafeffizienz und der effektiven Schlafzeit in Stunden eines Patienten während eines Trainings 

 

von 

Frau Christine Hamm, Dipl.-Psychologin im Schlafmedizinischen Zentrum Köln-Merheim

 

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