
Edgar Völger
Ein
Betroffener schildert seinen langen Weg vom Schnarcher zum
therapierten Schlafapnoiker. Ein
authentischer Vortrag von Edgar Völger auf dem 6.
Kölner-Schlafapnoetag
am Mittwoch. 09. Mai. 2001 18:15
Guten
Abend meine Damen, meine Herren, sehr geehrte Gäste.
Mein
Name ist Edgar VÖLGER, ich bin ein betroffener und Mitglied hier in
der
Selbsthilfegruppe SAS KÖLN. Für
heute lautet das Thema von dem ich Ihnen berichte:
Meine
Erfahrungen als SAS Patient - der Weg zur Diagnose und zur Therapie
-
Einundsechzig
Jahre ist mein gelebtes Leben. Aus gesundheitlicher Sicht, sind mir
aus den ersten 20 Jahren, keine besonderen Auffälligkeiten bekannt.
Mit dem Beginn der Phase „Ehemann“ wurde mir nach relativ kurzer
Zeit von meiner Partnerin wegen unverschämt lauten Schnarchen erst
die gelbe und dann später die rote Karte gezeigt. Ab meinem 45.
Lebensjahr begannen ernsthafte Schwierigkeiten. Meine Familie hat
sich immer häufiger beklagt, dass ich laut schnarche und im
speziellen nach Feierlichkeiten,
wo Alkohol im Spiel war. Konsequenz
war: Auszug aus dem
gemeinsamen Schlafzimmer. Getrennte Schlafräume haben nicht nur
Nachteile, es gibt auch viele Vorteile. Wir haben uns geeinigt du
schnarchst nicht, ich schnarche laut, kräftig, heftig und in allen
Lagen aus fertig Pasta.!!!! Ich war ein derartiger Ignorant wie Sie
es sich kaum vorstellen können. Die einzelne Familieninterna zum
Punkt Schnarchen will ich Ihnen nicht zumuten, denn das Problem
kennen Sie alle. Mein Unwohlsein, im nachhinein betrachtet, fing
schleichend an und das ist das heimtückische an der Sache.
Morgens
plagten mich oft Kopfschmerzen und Nasenbluten. In meiner
Ahnungslosigkeit und aus Bequemlichkeitsgründen gab es eine
Eigenbehandlung mit ,Aspirin" nach der Methode, bei leichtem
Kopfschmerz wurde 1 eingeworfen und bei starkem 2. So
ab 1990 gesellten sich
noch andere Symptome wie Tagesmüdigkeit, Bluthochdruck und
Herzrhythmusstörungen hinzu. Das waren natürlich keine
Eigendiagnosen und
Therapien
mehr, sondern Ergebnisse aus verschiedenen Arztpraxen,
Kurkliniken und Krankenhäusern.
Mein Hausarzt hat sich auf die Behandlung der Hypertonie mit
verschiedenen Medikamenten konzentriert. Die Vorgehensweise kennen
wir alle, es fängt schwach an und wird immer stärker bis zu dem
Punkt wo man sich fragt: Kann ich die Stärke und den langen
Zeitraum der verabreichten Medikamente noch mit gutem Gewissen
verantworten? 1999
war es dann so weit, dass ich zu der Erkenntnis kam, so kannst du
nicht weitermachen und der Druck, der von meiner Familie auf mich
ausgeübt wurde, verstärkte sich. Einige Fragen und Äußerungen
sind mir noch gut im Gedächtnis. Wie
lange willst du eigentlich so weitermachen? Dir ist doch bekannt:
Bluthochdruck tut nicht weh, nur wenn du so weiter machst wie
bisher, dann kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der
große ,,Big Bang“ und der heißt Schlaganfall mit all seinen
Varianten von Tod bis Rollstuhl und Schnabeltasse. Mach dir bitte
ernsthaft Gedanken und unter nimm etwas. Das Wort Schnabeltasse hat
mich geschockt und ich war ganz schön in der Klemme.
Der Zufall kam mir zur Hilfe. In einem Zelt auf dem Neumarkt
anlässlich der Kölner Gesundheitstage 1999 an einem
Informationsstand der Selbsthilfegruppe SAS Köln habe ich zum
erstenmal das Wort Apnoe bewusst gelesen und auch hinterfragt. Meine
vielen Fragen wurden mir mit Freundlichkeit und Kompetenz
beantwortet. Ich erhielt auch eine Einladung zum Gruppenabend der in
regelmäßigen Abständen stattfindet. Ich verfügte nun plötzlich
über sehr viele Informationen in Wort und Schrift zum Thema „Schlafapnoe-Syndrom
und Schnarchen“. Alles
hat mich sehr erstaunt und nachdenklich gemacht. Ich habe darüber
nachgedacht, ob es denn möglich sein kann, dass auch ich von dem
Schlafapnoesyndrom betroffen bin, denn viele Symptome waren mir ja
bekannt, die auf meinen Gesundheitszustand zutrafen und sich mit dem
in Einklang bringen ließen was ich soeben gehört und gelesen
hatte. In mir reifte der Entschluss das zweifelsfrei zu klären. Ich
erinnerte mich an die Einladung zum Gruppenabend. - Ich ging mit
meiner Frau hin. An diesen Abend hat mich beeindruckt, dass ein
erfahrener Arzt als Ansprechpartner mehr als eine Stunde
uneingeschränkt zur Verfügung stand. Einen solch glücklichen
Umstand und Service - alles ehrenamtlich und kostenlos hatte ich
nicht erwartet. An diesen Abend konnte ich alles in Erfahrung
bringen, was ich tun muss um Schritt für Schritt alle Bedingungen
zu erfüllen um einen Termin für das Schlaflabor zu bekommen. Ich
war erstaunt was eine Selbsthilfegruppe imstande ist zu leisten. Am
So. den 30.07.2000 war es dann so weit, dass ich mich in ein Bett im
Schlaflabor niederlegen durfte um eindeutig und zweifelsfrei
festzustellen ob ich Apnoen habe oder nicht. Die ganze Prozedur ist
im ersten Moment ungewohnt. Um wirklich zweifelsfrei aussagefähig
zu sein ist es erforderlich ca. 18 verschiedene Messwerte die ganze
Nacht aufzuzeichnen und zu dokumentieren. Ich wollte Bestätigung
und Hilfe, denn ich saß ja in der Klemme, also war fügen angesagt.
Mir kamen große Zweifel, ob ich mit all den Messwertaufnehmern und
den dazu gehörenden Kabeln die an meinem Körper befestigt waren,
in dieser Nacht überhaupt schlafen kann. Ich konnte, und wie ich
konnte, dass hat mir am folgenden Morgen eine nette junge Ärztin an
Hand der nun ausgewerteten nächtlichen Aufzeichnungen erklärt, was
alles in der vergangenen Nacht abgelaufen ist. Die nun vorliegende
Ausgangssituation schwarz auf weiß war schockierend. Ich wollte es
wieder nicht glauben, aber es gab keinen Zweifel: das Ergebnis
lautete 32 Atemaussetzer pro Std. von unterschiedlicher Dauer im
Schnitt 30 sec. Der Sauerstoffgehalt im Blut ist auf
83 % abgesunken. Ich war der Meinung nur 17 % weniger das ist
doch gar kein so schlechter Wert. Das hat die Ärztin aber ganz
anders gesehen und ich wurde aufgeklärt, das es ganz anders ist,
als ich dachte. Meine bangen Fragen waren:
Was
ist zu tun?
Wie
geht es weiter?
Wie
sieht die Therapie aus?
Wie
lange dauert so eine Therapie?
Die
Antwort lautete, nach heutigem Stand der Wissenschaft und Technik
lebenslänglich. Der psychische Schock war perfekt. Da braucht jeder
erst mal eine Weile um die neue Lebenssituation zu begreifen und zu
verarbeiten. Ich
bekam eine Atemmaske und ein CPAP- Beatmungsgerät
(CPAP
kommt aus dem englischen:
Continuous
= ununterbrochen
Positive
= sichere
Airway,
= Luftweg
Pressure
= Druck)
Mir
wurde die Handhabung erklärt und am Nachmittag Maskentraining
verordnet. Es folgte die zweite Nacht unter Laborbedingungen, aber
mit zusätzlicher CPAP-Therapie. In dieser zweiten Nacht wird
beobachtet wie sicher wirkt die Therapie, ist die Maske dicht,
arbeitet das Gerät einwandfrei usw.
Aber das Wichtigste ist wohl,
welchen Druck braucht der Patient um den Luftweg offen zu
halten damit keine Apnoen mehr auftreten. Am
Vormittag wurde mir wieder alles erklärt, und ich bekam ein
geeichtes Gerät, an dem mein Therapiedruck eingestellt war. Von nun
an jede Nacht mit 8 mbr. durch die Nacht. Nun bin ich an einem Punkt
den ich besonders betonen möchte. Schlagartig
hat
sich meine Lebensqualität verbessert. Am Morgen nicht mehr müde
und kaputt, sondern fit wie ein Turnschuh. Belastend war nur der
Gedanke - lebenslängliche Abhängigkeit von dem Gerät in der
Nacht. Ich habe mir eine psychische Brücke gebaut, die so aussieht.
Als junger Mann war mein Berufstraum Jetpilot. Der Traum vom Ritt
auf dem Feuerstrahl ist aber nicht in Erfüllung gegangen. Heute
steige ich jede Nacht mit meinem Überlebenssystem ins Cockpit und
ab geht es durch die Nacht. Jede Nacht völlig gefahrlos im Traum zu
jedem Punkt der Erde. Das ist schon eine tolle Sache. Auch eine
wichtige Erkenntnis ist die, dass ich all denen nicht gefolgt bin,
die verkünden, sie könnten das Problem mit dem Messer lösen.
Vielleicht
habe ich auch einfach nur Glück gehabt, dass ich zur richtigen Zeit
den richtigen Leuten begegnet bin. All denen, die einen Beitrag in
welcher Form auch immer geleistet haben, dass auch ich wieder einen
gesunden, erholsamen Schlaf genießen kann, und Ihnen die Sie mir
zugehört haben, rufe ich ein Zauberwort zu!!!
Danke
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